PSYCHISCHE PROBLEME IM SHIATSU

 

Im Laufe meiner Shiatsu-Ausbildung tauchte immer wieder die Frage des Gesprächs im Shiatsu auf. Wie kann oder soll ein Gespräch vor oder nach der Behandlung - idealerweise - ablaufen? Was tu ich, wenn eine Klientin mit psychischen Problemen und dem Bedürfnis, darüber zu reden, zu mir kommt?

Natürlich gibt es keine allgemein gültigen Antworten auf diese Fragen. Jeder Shiatsu-Praktiker muss seinen eigenen Weg finden. Ich denke, dass es aber unter anderem darum geht, herauszufinden, was ich möchte. Wieviel Raum will ich dem Gespräch geben? Und zum anderen geht es vor allem auch darum, das Potential von Shiatsu auch im emotionalen, mentalen, spirituellen Bereich zu erkennen.

Brigitte Ladwig vom ESI Münster / GER hat zu diesem Thema einen sehr anregenden Artikel verfasst, aus dem ich hier gerne einen Auszug präsentieren möchte. Auch, um KollegInnen anzuregen, mir ihre Meinung zu schreiben und an einem Austausch teilzunehmen:

Shiatsu als Arbeit mit der Seele

(Auszug aus einem Artikel von Brigitte Ladwig)

Erreichen wir, indem wir uns im Shiatsu auf das Ki beziehen, nicht sowieso schon die seelische Ebene? Das stimmt. Ki ist der "Stoff", die Vibration, der alle Aspekte miteinender verbindet.
Durch Shiatsu sprechen wir z.B. Gelenke, Muskeln, Organe, das Nervensystem, die Atmung und eben auch Gefühle, Verhaltensweisen, Gedanken, die Art des in der Welt Seins an. Das ist ja das Wunderbare an Shiatsu. Warum also dieser Artikel?

Zum einen sind Shiatsu SchülerInnen und Graduierte oft verunsichert, wie sie mit Fragen und Problemen von Klienten, die sich auf die psychische Ebene beziehen, umgehen sollen. Zum anderen kann man sich in der Arbeit ebenso auf einen inneren Konflikt wie auf ein geschwollenes Knie als Sitzungsthema beziehen. Gerade, wenn ein Klient nicht mit einem relativ gut erfassbaren körperlichen Problem kommt wie Rückenschmerzen oder einer sichtbaren, auffälligen Energieverteilung, sondern beispielsweise wegen eines Beziehungskonfliktes um Rat fragt, mit belastenden Kindheitsproblemen beschäftigt ist oder sich mehr Kontaktfreudigkeit wünscht, gibt es eine Tendenz, durch Sprechen auf diese Fragen einzugehen, durch Sprechen die Probleme lösen zu wollen. Ein ganz natürlicher Impuls.

Problematisch kann es werden, wenn dadurch der Fokus der Arbeit verschwimmt, der Therapeut sich verantwortlich dafür fühlt, das Problem zu lösen oder zumindest zu erklären oder einen Rat zu geben. Eventuell sind wir, indem wir uns eingefühlt haben, in den Bann dieser Fragen und Probleme geraten und haben unsere Zentrierung und den Abstand verloren, von dem aus wir in relativer Freiheit und Klarheit handeln können. Der Ausweg aus Hilflosigkeit, Überforderung oder Verwirrung wird dann vielleicht darin gesehen, eine weitere Ausbildung in Gesprächstechniken oder Psychotherapieverfahren zu absolvieren. Das Ergebnis wäre eine Kombination von hilfreichem Gespräch und Shiatsu. Das ist sicherlich nicht schlecht und es gibt wahrscheinlich gute Erfahrungen damit. Schade wäre nur, wenn diese Wahl aufgrund einer Unterschätzung der Kraft und Effektivität von Shiatsu in diesem Bereich getroffen worden wäre.
Die Klienten sind für Shiatsu gekommen, wir (Shiatsu-PraktikerInnen) haben Shiatsu gelernt, und Shiatsu ist eine äusserst wirksame Methode. Das heisst, wenn Klienten mit psychischen Anliegen kommen, bleiben wir - idealerweise - zentriert, in Kontakt mit uns, offen in der Wahrnehmung und geben dann Shiatsu, bezogen auf die Fragestellung.